Jeder kennt Beton, den grauen Verbundbaustoff. Gleichzeitig polarisiert Beton auch – für die einen ist es ein genialer Baustoff, für die anderen ein trist grauer Kunststein. Diese Gegensätze setzen sich auch anderweitig fort. So ist Beton ein antiker Baustoff, der andererseits ein High-Tech-Produkt ist. Die Vielseitigkeit von Beton ist nahezu unschlagbar. Hier ein kurzer Blick in die Entwicklung des Betons.

Mehr als 10.000 Jahre kennt die Menschheit Beton

Die ersten verwendeten Verbundbaustoffe, die dem heutigen Beton nahe kommen, konnte man in der Türkei nachweisen und auf rund 10.000 Jahre datieren. Jedoch war die Qualität noch nicht sonderlich gut. Das änderten vor allem die Römer. Unter den Römern wurde der Beton stetig weiter entwickelt. Der damalige Beton ist auch als Opus Caementitium bekannt. Dieser besteht aus gebranntem Kalk, Wasser und Sand, außerdem kommen noch andere Zuschläge hinzu, die auch heute noch verwendet werden, nämlich Puzzolane.

Der erste High-Tech-Beton: der römische Opus Caementitium

Der römische Beton war für seine Zeit durchaus ein hochmoderner Baustoff. In Äquadukten, Estrichböden und anderen Bauwerken überdauert der antike Beton teilweise bis heute. Besonders bemerkenswert. Der römische Beton war so weit entwickelt, dass es selbst heute, nach rund 2.000 Jahren, sogar in Regionen mit großen Temperaturunterschieden noch Betonböden der Römer gibt, die absolut frei von Rissen sind. Das wohl bekannteste Bauwerk, das die Jahrtausende nahezu unbeschadet überstanden hat, steht unterdessen in Rom – das Pantheon.

Mehr als 1.500 Jahre sollte es dauern, bis Beton wiederentdeckt wurde

Doch mit dem Niedergang der Römer begann nicht nur umgangssprachlich das dunkle Mittelalter. Das konnte durchaus wörtlich genommen werden, denn sehr viel technisches Wissen ging in dieser Zeit verloren, so auch die Herstellung von diesem hochwertigen Beton. So musste der römische Beton Opus Caementitium im 18. Jahrhundert erst wieder entdeckt werden. Franzosen und Engländer trieben darauf hin die Weiterentwicklung hin zum heutigen Zement schnell voran. Im 19. Jahrhundert war dann der Siegeszug des heutigen Betons nicht mehr aufzuhalten.

Heute ist Beton aus dem modernen Bauhandwerk nicht wegdenkbar

Der Franzose Joseph Monier entdeckte dann noch, dass durch die Beigabe von Stahl der Beton noch weiter verfestigt werden konnte. Daher auch heute noch die Bezeichnung „Moniereisen“. Von nun an waren in der Architektur Bauwerke möglich, die bis dahin undenkbar gewesen wären. Neben Gebäuden galt das insbesondere für Brücken, die nun nicht nur ausschließlich aus Stahl gebaut werden mussten. Heute ist Beton nicht mehr aus dem Bau wegzudenken – weder im Tiefbau noch im Hochbau. Alleine anhand eines modernen Wohnhauses lässt sich eindeutig aufzeigen, wie wichtig Beton ist. Denn die unterschiedlichsten Komponenten und Elemente bestehen aus Beton:

– Fundament
– Kellerwanne (weiße Wanne)
– Tragwände
– Fenster- und Türensturz
– Spanndecken
– Ringbalken, Kniestock für den Dachstuhl
– Flachdächer

Wir lernen noch immer über Beton

Allerdings war das Wissen auch im 20. Jahrhundert noch nicht zu ausgeprägt. So ging man in den 1950ern und 1960ern noch davon aus, dass Beton als Wunderbaustoff nach seiner Fertigstellung keine Wartung mehr benötigen würde. Das war eine fatale Fehleinschätzung. Zwar ist der Wartungsaufwand von Betonbauteilen in der Tat gering, aber eben doch nicht vernachlässigbar. Darüber hinaus haben sich heute auch die Herstellungstechniken weiter verfeinert. Denn neben den Inhaltsstoffen ist auch die Zubereitung des Betons ein wesentliches Qualitätsmerkmal.

Die Qualität vom Beton wird maßgeblich von unterschiedlichen Faktoren beeinflusst

Der klassische Betonmischer, so wie er auf Baustellen oft zu sehen ist oder auch von Heimwerkern genutzt wird, bietet dabei die geringste Betonqualität. Um wirklich hochwertigen Beton herzustellen, wird mindestens ein guter Zwangsmischer benötigt. Aufgrund des Aufwands wird daher meist auf Fertigbeton aus dem Betonwerk zurückgegriffen, der als Transportbeton zur Baustelle gelangt. Wird sehr viel Beton vor Ort verarbeitet, wird auch ein mobiles Misch- und Betonwerk aufgebaut.

Zusammenspiel bei der Betonqualität

Insgesamt wird die Qualität von Beton von drei wesentlichen Faktoren bestimmt:

– Inhaltsstoffe
– Herstellungsprozess
– Verarbeitung des verbauten Betons

Die Inhaltsstoffe

Bei den Inhaltsstoffen kommt es zunächst auf eine Körnung an, die den Anforderungen entsprechend gut durchgemischt ist in den Körnungsgrößen. Der Zwischenraum zwischen dem Zuschlag, der mit Zement gefüllt wird, muss möglichst gering ausfallen. Dabei soll der Zuschlag möglichst effizient verzahnen. Neben den klassischen Inhaltsstoffen Zuschlag, Wasser und Zement kommen auch noch Betonzusatzstoffe und Betonadditive hinzu.

Das Mischen und Verarbeiten

Bei der Herstellung ist die Reihenfolge des Mischens ebenso wichtig wie die Mischdauer. Vor allem aber die Durchmischung ist wichtig, ohne dass kleiner und großer Zuschlag voneinander getrennt wird. Ist der Beton dann verbaut, muss er noch weiter verarbeitet werden. Dazu gehört unter anderem das optimale Verdichten des Betons. Lufteinschlüsse sind ein massiver Qualitätsmangel. Durch zu intensives oder falsches Verdichten können die Inhaltsstoffe aber auch wieder getrennt werden. Dazu darf der Beton nicht unkontrolliert austrocknen.

Alles Wissenswerte über Beton bei uns

Weil der Beton sowie dessen Zubereitung und Verarbeitung so umfangreich und komplex ist, haben wir dem Beton eine ausgedehnte Artikelreihe gewidmet. Sie finden in unserem Heimwerker-Journal Do all yourself alles, was Sie über Beton wissen müssen – von der Herstellung über die Verarbeitung bis hin zur Wartung und auch dem Abriss oder der Betonsanierung.